Kurzgeschichte: Queentia (Deutsche Übersetzung)

Queentia (Download Text)

   Damien war bereit zu gehen; seine Frau beobachtete ihn, wie er seinen Mantel schloss. Ihre grünen Augen glänzten mit unvergossenen Tränen. Als er näher kam, verzerrte sich ihr Gesicht bei dem Versuch, zu lächeln. Sie legte ihre Hand sanft auf seinen Arm, ihre Berührung so leicht wie eine Feder.
   Plötzlich wurde ihr Blick energisch. „Sie könnten Gnade zeigen, denkst du nicht? Dann könntest du zu mir zurückkehren.“ Ihre Stimme war kraftvoll und ohne Zittern.
Wärme durchflutete seinen Körper. Für einen Moment steckte ihn ihre wilde Hoffnung an, aber sie verschwand so schnell, wie sie gekommen war. Er wusste es besser. Sein Zögern ließ ihre mutige Fassade brechen und sie warf sich um seinen Hals. Er spürte Feuchtigkeit auf seine Schulter fallen.
   Damien zog sich ein wenig zurück, wischte die Tränen von ihren rosigen Wangen und strich ihr blondes Haar aus der Stirn, um ihr einen zarten Kuss zu geben. Da war er wieder, der Versuch zu lächeln.
   „Ich wünschte nur, wir könnten zusammen bleiben.“
   „Die Richter haben keinen Zweifel gelassen, mein Engel. Ich muss gehen.“ Damien drehte sich um, trat durch die Tür und lehnte sich an das alte Holzgeländer der Veranda, um sich lange umzusehen. Er hatte den größten Teil seines Lebens hier in Queentia verbracht. Und hier hatte er auch seine geliebte Virginia getroffen. Sein altes Haus am Rande des Dorfes war für die beiden zu klein gewesen, so waren sie in dieses Haus direkt neben dem Dorfplatz gezogen, über den Damien jetzt schaute.
   Einige seiner Nachbarn beobachteten ihn verurteilend. Übelkeit stieg in ihm auf. Was für eine Heuchelei. Es war ja nicht so, als ob die meisten nicht auch schuldig wären. Das Rascheln von Kleidung ließ ihn sich umdrehen. Virginia stand in der Tür, eine weitere Träne glänzte auf ihrer Wange. Als sie sie wegwischte, huschte ein aufrichtigeres, doch auch entschuldigendes Lächeln über ihr Gesicht.
   „Mein Lachen sollte dich begleiten, nicht meine Tränen.“ Ihr Gesicht wurde wieder ernst. „Bitte, pass auf die Kreaturen in den Wäldern auf. Wenn sie Gnade zeigen, kannst du nach Hause zurückkehren. Und dann will ich dich unversehrt zurück.“
   „Die Kreaturen werden mir nicht wehtun, das weißt du. Aber ich verspreche, vorsichtig zu sein.“
   Ihr harter Kuss versetzte ihm einen Energiestoß durch seinen ganzen Körper. Dies könnte das letzte Mal sein, dass er sie jemals küsste. Er drückte sie fest an sich, wollte diesen Moment hinauszögern, solange er konnte.
   Aber die Zeit war gekommen. Damien musste seine Frau, sein Heim verlassen. Er wusste, wenn er jetzt nicht ging, hätte er nie die Kraft dazu.    Er ließ Virgina los, drehte sich auf dem Absatz um und stürmte davon, ohne sich umzusehen. Das Schluchzen seiner Frau folgte ihm, immer leiser werdend, bis er es nicht mehr hörte.
   Damien ging weiter, bis er die Tore Queentias erreichte. Sobald er sich nicht mehr rührte, kamen Zweifel in seinem Herzen auf. Konnte er dies wirklich tun? Aber er hatte keine andere Wahl. Die Verhandlung war durchgeführt worden, und das Urteil musste vollstreckt werden. Dafür hatte er das Dorf zu verlassen. Er starrte in den Wald, der Queentia umgab. Die Bäume ragten bedrohlich über ihm auf; das Licht der frühen Abendsonne durchdrang kaum das dichte Blätterdach.
   Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. In ein paar Stunden würde alles vorbei sein und sein Leben wäre beendet. Mit einem tiefen Atemzug, versuchte er sich zu beruhigen. Was sonst könnte er tun? Mit zögernden Schritten trat er in den Wald. Kaum war er von den Bäumen umgeben, fühlte er sich, als sei sein ganzes Leben aus ihm herausgesaugt worden. Alles war plötzlich still, sämtliche Geräusche vom dichten Grün absorbiert. Die abrupte Kälte bereitete ihm Gänsehaut.
   Als er plötzlich das Rascheln um ihn herum hörte, erschrak er und wirbelte herum. Er wusste, es mussten die Kreaturen sein, also warum suchte er überhaupt nach ihnen? Er konnte sie nicht sehen, niemand konnte das, bis sie kamen, um das Urteil zu vollstrecken.
   Er hatte keine Ahnung, wie lange er schon gelaufen war – im Wald, mit kaum einem Anzeichen von Licht, konnte man leicht die Zeit vergessen – als er eine schlanke, verhüllte Person an einen Baum gelehnt sah.
   „Damien“, wandte sich die Gestalt an ihn, während sie sich vom Baum wegdrückte. „Ich bin Nero“, stellte er sich vor, als er seine Kapuze zurück strich und das weiße Haar eines Priesters enthüllte, das ihm in Strähnen in sein Gesicht fiel. Seine jungenhafte Züge waren düster, seine stechend blauen Augen musterten Damien aufmerksam. „Ich bin hier, um dich zu deinem Quartier zu geleiten. Du verstehst, warum dies notwendig ist, nicht wahr?“
   „Damit das Urteil ohne Beeinträchtigung durchgeführt werden kann.“
   Nero nickte kurz und schritt tiefer in den Wald hinein, ohne auch nur auf Damien zu warten.
   Nur für eine Sekunde blitzte ein geistiges Bild vor Damiens Augen auf, wie er einen Stamm packte, den Priester niederschlug und davonlief, sich Virginia holte und sie das Dorf verließen. Er war sicher, sie konnten es hinbekommen, wo auch immer sie hingehen würden, wenn da nicht die Kreaturen gewesen wären. Aber sie würden ihn wahrscheinlich ohnehin angreifen, noch bevor er den Priester erreicht hatte, und er war sicher, dass es zu viele waren, um sie alle zu bekämpfen. Er war nicht einmal sicher, ob er sie sehen konnte. Schließlich wurden sie in diesem Falle nicht gerufen, doch sie würden dennoch angreifen, um den Priester zu schützen. Es war aussichtslos. Resignierend folgte Damien Nero.
   „Ich hoffe, du weißt, dass wir nicht gerade Gefallen daran finden, was passieren wird. Besonders in diesem Fall. Du und Virginia waren sehr angenehme Einwohner. Es ist traurig, dass es so enden muss. Aber die Strafe ist notwendig, und wir waren enttäuscht, als sich herausstellte, dass ihr zwei an dieser Niederträchtigkeit beteiligt wart.“
   Damien nickte, stimmte aber nicht wirklich zu. Es war nichts verkehrt weder mit ihm noch mit seiner Frau. Sie waren wirklich gute Leute gewesen, und hätte es nicht diesen unglücklichen Vorfall gegeben, würden sie es immer noch sein. Virginia im Besonderen war für die Gemeinde sehr wertvoll gewesen.
   Damien war erstaunt, mit wie viel Leidenschaft sie an den Dorfangelegenheiten teilnahm. Sie war immer voll engagiert, wann immer etwas organisiert werden musste. Die Dorffeste hatte sie am meisten gemocht. Sie war stets die Geselligere von ihnen gewesen. Sie liebte es, sich mit den Nachbarn zu treffen, während Damien eher ein Einzelgänger gewesen war, bis er sie kennengelernt hatte. Ihre Nachbarn konnten sich glücklich schätzen, Virginia und ihr Talent für Dekoration in ihrer Mitte zu haben. Oh, und natürlich gab es auch die Wahl des Gerichts, bei dessen Organisation sie ebenfalls beteiligt war. Und war das nicht Ironie? Sie half die Justiz zu formen, die sie nun auseinanderreißen würde.
   Nero und Damien gingen nebeneinander, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Immerhin schien der Priester Damiens Bedürfnis nach Stille anzuerkennen. Er hätte sich anders verhalten, wenn er nicht von einem Priester begleitet worden wäre. Er würde sich sicherlich niemandem anvertrauen, der zu den Leuten gehörte, die für diese Misere verantwortlich waren.
   Der Weg führte sie tiefer und tiefer in den Wald. Als sich Damien sicher war, dass sie die ganze Nacht lang durchlaufen würden, gaben die dicken Bäume den Blick frei auf eine perfekte, kreisrunde Lichtung. Das Restlicht, das endlich wieder zu sehen war, erhellte eine kleine Steinhütte. Die unbeleuchteten Fenster schienen Unheimlichkeit auszustrahlen.
   Sie traten in ein spärlich eingerichtetes Wohnzimmer und Nero zündete ein paar Kerzen an, um die Dunkelheit zu vertreiben. Trotz der Vertrautheit des warmen Kerzenscheins, verschwand Damiens Unbehagen nicht. Während die helle Holzvertäfelung in seinem Haus das Licht stets verstärkte, schienen die Steine hier es vollständig zu verschlucken.
   „Nun warten wir“, verkündete Nero schlicht.
   Damien sah sich um. Neben dem Wohnzimmer gab es nur einen weiteren Raum, ein kleines Schlafzimmer. Nero ließ sich auf einem Stuhl nieder, kippte ihn bis an die Wand und sah Damien an. Dieser hatte keinen besonderen Wunsch, mehr Zeit mit einem Priester zu verbringen und setzte sich in dem anderen Raum auf die Bettkante. Seine Gedanken wanderten zu seiner geliebten Frau. Sie hatten bis jetzt so viel Glück gehabt, dass er nicht glauben konnte, es würde so enden.
   Damien hatte keine Ahnung, wie lange er dort grübelnd saß. Aber als er aus dem Fenster sah, war es vollständig dunkel und daher fast Zeit für die Bestrafung. Der Vollmond hatte fast seinen höchsten Punkt erreicht. Damien stand auf und suchte nach Nero. Er schlief auf dem Stuhl, der immer noch zurück gekippt war. Damien kehrte zu dem Bett zurück und setzte sich wieder. Erschöpft lehnte er sich an die Wand. Er wollte seine Frau so sehr wiedersehen, nur ein letztes Mal, bevor das Urteil vollstreckt wurde.
   Obwohl Nero schlief, konnte es gefährlich sein, aber Damien konnte dem Drang, seine Frau zu sehen, nicht länger widerstehen. Er entspannte sich, konzentrierte sein ganzes Bewusstsein auf Virginia. Er spürte, wie seine Macht emporstieg, ein Prickeln unter seiner Haut. Er ließ seine Gedanken fließen, bis das Bild seiner Frau in ihrem Haus vor seinem inneren Auge erschien. Sie hatte Kerzen angezündet, sodass sie wie der Engel schimmerte, der sie war. Aber Sorgenfalten verzerrten ihr schönes Gesicht. Sie trat ans Fenster und blickte auf den aufgehenden Mond.
   Das Wissen, dass die Kreaturen bald zuschlagen würden, ängstigte sie fürchterlich. Damien spürte die aufsteigende Panik wie seine eigene.
   „Dachtest du, ich würde es nicht merken, wenn jemand seine Macht benutzt?“
   Damien erschrak. Er war aufgesprungen, noch bevor Nero seinen Satz beendet hatte. Selbst schlafend hatte der Priester es gespürt.
   „Ich nehme an, Gleich und Gleich gesellt sich wohl gern.“
   Was sollte Damien nun tun? Nero würde auch ihn bestrafen. Damien hatte wahrscheinlich keine Chance gegen den Priester und die Kreaturen. Außerdem hatte er nie jemanden verletzen wollen. Aber jetzt gab es nur noch ihn oder Nero.
   Das Nachbild von Virgina war noch nicht ganz verblasst, aber die Wut legte sich wie ein roter Schleier über Damiens Sicht und ließ sie verschwimmen. Der Priester würde ihn nicht gehen lassen, Virginas Wunsch ging nicht in Erfüllung. Nicht, wenn Damien nichts tat. Noch einmal ließ er seine Macht aufsteigen, diesmal konzentrierte er sie auf Nero. Damien schleuderte ihn nach hinten ohne ihn auch nur zu berühren. Nero prallte hart gegen die Wand, schlug auf den Boden und blieb bewusstlos liegen. Damien wusste, das war seine einzige Chance. Er sprang über den Körper, lief zur Tür. Er drückte sie schon auf, als er einen brennenden Schmerz in seinem rechten Arm spürte.
   Nero war wieder auf den Beinen und hatte einen seiner Dolche nach Damien geworfen. Er zog ihn aus seinem Arm und drehte sich um, seine Hand auf die blutende Wunde gedrückt. Nero hatte seinen zweiten Dolch in der Hand. Beide wussten, dass das nicht nötig war: das Blut, das gebraucht wurde, um die Kreaturen zu rufen, war bereits vergossen worden, und der Priester begann die Beschwörung aufzusagen.
   „Sanguine hoc voco vos, canes inferni. Ut vestri tempus adfuerit, cum proxima plenilunio attigerit apex, invoco vos, iudicate impios, et relinquite corpora in condicio quem merentur.“
   Damien wusste, dass die Hunde jetzt noch nicht angreifen würden. Der Vollmond musste seinen höchsten Punkt erreichen. Er überlegte seine Kräfte gegen sie einzusetzen, aber fürchtete, nicht genug Energie aufbringen zu können, um sie alle außer Gefecht zu setzen. Aber er hatte noch Zeit, zum Dorf zurück zu laufen, seine Frau zu holen und dann… Und was dann? Wenn er jemals rechtzeitig das Dorf erreichte, würden die Hunde sie immer noch jagen. Aber zusammen hätten sie vielleicht eine Chance.
   Ohne weiter auf Nero zu achten, drehte Damien sich um und rannte so schnell er konnte. Er hörte die Hunde in den Büschen neben ihm. Sie verfolgten ihn, bereit, zuzuschlagen, sobald sie konnten. Der Wald um ihn herum verschwamm. Er flog beinahe über den Boden; seine Füße berührten kaum den Grund. Seine Lungen begannen zu brennen, aber alles, woran er von denken konnte, war Virginia rechtzeitig zu erreichen. Er wusste, es würde knapp werden, aber der Gedanke an ihr schönes Gesicht und ihre überwältigende Sanftmut trieben ihn an. Er bildete sich ein, dass er sogar die Hunde hinter sich gelassen hatte, denn er konnte sie nicht mehr hören. Andererseits war alles, was er hörte, das Blut, wie es durch seine Adern rauschte.
   Als er das erste, von Kerzen erhellte Fenster sah, gelang es ihm, sogar noch schneller zu laufen.
   Er hatte es geschafft, er war zu Hause. Ohne zu verlangsamen, raste er durch das Dorf, bis er endlich sein Haus erreichte, stieß die Tür so stark auf, dass sie in die Wand schmetterte. Zunächst sah alles genau so aus, wie er es in seiner Vision gesehen hatte. Das warme Kerzenlicht, die ordentlich gereinigten Möbel. Das war es, was Damien bei seiner Rückkehr vorfinden sollte. Doch als sein Blick zu dem Flur zu seiner Linken wanderte und auf die großen Blutspritzer auf dem Boden vor der Schlafzimmertür fiel, wusste er, dass er zu spät war. Die Kreaturen, die auf Virginia geprägt waren, waren schon dort gewesen.
   Er zögerte. Wollte er das wirklich sehen? Aber er hatte keine andere Wahl. Er musste sehen, was die Kreaturen seiner geliebten Frau angetan hatten. Mit vorsichtigen Schritten ging er auf den Raum zu und betrat ihn. Virginia lag auf dem Boden vor ihrem Bett. Trotz der langen, tiefen Risse und Bisswunden, die ihren Körper bedeckten, rang sie noch nach Luft. Wenn sie wahrnahm, dass Damien nach Hause gekommen war, ließ sie es sich nicht anmerken.
   Er sank auf den Boden neben ihr, strich ihr das Haar aus dem Gesicht. Sie war eine gute Frau und er hatte sie im Stich gelassen. Hatte er? Er konnte es immer noch in Ordnung bringen, obwohl er nie gehört hatte, dass jemand seiner Art jemals derartige Wunden geheilt hatte. Er musste es versuchen. Es war seine einzige Chance. Er legte seine Hände auf ihren Bauch und ihre Stirn, sodass seine Macht durch die meisten ihrer Verletzungen fließen würde. Er konzentrierte sich mit aller Kraft auf seinen unerträglichen Wunsch, sie zu heilen. Als seine Macht seine Hände verließ, schickte sie einen kraftvollen Stoß durch seinen und Virginias Körper. Für einen Moment blendete ihn ein weißes Licht von innen heraus. Dann sah er plötzlich den ersten Tag, an dem sie sich getroffen hatten.
   Virginia stolperte aus dem Wald, buchstäblich in Damiens Arme. Sie war so verängstigt gewesen. Sie hatte gerade entdeckt, dass sie in der Lage war, Dinge zu tun, die andere nicht tun konnten. Sie wusste, was mit solchen Menschen geschah, also lief sie fort. Sie hatte gehört, dass es ein Dorf gäbe, in dem sie in Frieden leben könnte, wo Leute ihrer Art zusammenkamen. Damien hatte ihr gesagt, dass es einige in diesem Dorf gab, die wie sie waren, aber auch sie mussten verbergen, was sie zu tun imstande waren. Es gab kein Leben in Frieden. Aber es war sicherer dort, weil sie sich in der Menge verstecken konnten. Es war somit schwieriger für die Priester, den einen zu finden, der die Macht benutzt hatte, doch das war, was sie tun mussten. Sie brauchten eindeutige Beweise, bevor sie handeln durften.
   Es hatte nicht funktioniert! Das Blut strömte immer noch aus den tiefen Verletzungen ihres Körpers. Damiens Verzweiflung wuchs. Er konnte sie nicht gehen lassen. Solange sie atmete, würde er versuchen, sie zu retten. Dass ihre Atmung schon schwächer wurde, würde Damien nicht eingestehen.
   Wieder einmal rief er seine Macht und schickte sie durch sie hindurch.
   Virginia war geblieben. Nicht nur für die relative Sicherheit, sondern auch für Damien. Sie taten alles, um ihre Andersartigkeit zu verbergen, obwohl es für Virginia schwieriger war. Sie hatte nie die volle Kontrolle über ihre Macht gewonnen und mehr als einmal hatte Damien sie beruhigen müssen, bevor ihre Macht ausgebrochen war. Aber an diesem Tag, diesem verhängnisvollen Tag, war er nicht für sie dagewesen. Sie war im Dorfzentrum gewesen und wurde in einen Streit verwickelt. Sie hatte die Kontrolle verloren; ihre Macht entlud sich und schleuderte die andere Frau über den Platz. In der nächsten Sekunde waren die Priester da, schnitten sie und prägten die Hunde auf sie.
   Damien Bemühungen schienen vergeblich. Er spürte die heiße Nässe in seine Augen steigen, die ihn blendete. Sie war kaum noch am Atmen. Er hatte sie erneut im Stich gelassen. Er war nicht in der Lage gewesen, sie zu schützen, und er war nicht in der Lage, sie zu retten. Mit einem letzten hoffnungslosen Versuch, sie am Leben zu halten, schickte er eine weitere Welle der Macht durch sie hindurch.
   Sie stritten. Damien wollte versuchen, zu entkommen, aber Virginia war vernünftiger. Die Hunde konnten die Bestrafung noch nicht ausführen, doch sie würden angreifen, wenn sie versuchten, zu fliehen. Die Verhandlung wurde abgehalten und die Richter hatten das Urteil bestätigt. Die Priester würden die Hunde nicht zurückrufen. Virginia hatte die Hoffnung, dass sie sie am Leben lassen würden, obwohl Damien wusste, dass die Mächte als Abscheulichkeit angesehen wurden. So oder so, Virginia wollte, dass Damien lebt. Sie wollte, dass er in ihr Heim zurückkehrte, ob sie da sein würde, ihn wieder willkommen zu heißen oder nicht.
   Es war vorbei. Virginia atmete nicht mehr. Für einen Moment Damien fühlte nichts, als er ihr einst schönes, nun aber blutverschmiertes Gesicht in seine Hände nahm. Ihr Blut war noch warm. Damien brach über Virginias Leiche zusammen und sein Körper zuckte mit jedem heftigen, stummen Schluchzen. Sie hatte nie jemandem schaden wollen. Er spürte, wie sich seine Trauer in Wut verwandelte. Er wusste, dass es andere wie sie in diesem Dorf gab. Und sie haben alles beobachtet, wie es Tradition war. Sie haben beobachtet, wie jemand ihrer Art auseinander gerissen wurde. Er spürte seine Wut immer stärker wurde, sein Blut kochte beinahe. Das sonst sanfte Prickeln der aufsteigenden Macht verwandelte sich in einen aggressiven Juckreiz. Er dachte, seine Haut würde bersten, als sein Körper die Macht nicht länger in sich halten konnte und sie sich in einer massiven Explosion entlud. Alles wurde schwarz.
   Als Damien das Bewusstsein wiedererlangte, schwante ihm das Schlimmste. Mit zitternden Beinen verließ er sein Haus. Der Dorfplatz war übersät mit toten, mutierten, hundeähnlichen Tieren. In seiner Trauer war er in der Lage gewesen, genug Macht aufzubringen, alle Höllenhunde zu töten, die ihm gefolgt waren. Ein paar Sekunden später und sie hätten das Haus erreicht, hätten ihn erreicht und getötet. Er trat an den nächsten Hund heran. Diese Kreaturen waren die wirklichen Gräuel. Und diese monströsen Bestien waren das letzte, was Virginia gesehen hatte.
   Damien stand wieder auf und näherte sich dem Haus seines nächsten Nachbarn. Unglücklicherweise war seine Macht nicht konzentriert gewesen. Er warf einen Blick durch das Fenster und fand seine Nachbarn gespreizt tot auf dem Boden. Sie hatten wahrscheinlich nicht dir geringste Ahnung gehabt, was mit ihnen geschehen war. Zweifellos war auch der Rest der Dorfbewohner tot. Nichts mehr war hier für Damien übrig außer Trostlosigkeit und Einsamkeit. Im Inneren so tot wie seine Nachbarn, drehte er sich um, um das Dorf zu verlassen, als er Nero zwischen den Toren stehen sah. Er musste außerhalb der Reichweite seines Machtausbruchs gewesen sein. Nun stand er da und sah Damien einfach an.
   In jeder Hand hatte er einen geschickt geschmiedeten, geschwungenen Dolch, einer war noch mit Damiens Blut beschmiert. Virginia wollte, dass er lebte, doch erneut würde er sie im Stich lassen. Es gab nichts mehr, für das es sich zu leben lohnte. Er konnte Nero einfach aus sicherer Entfernung ausschalten, stattdessen wartete er auf jegliche Strafe, die der Priester für ihn bereit hielt.

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